Die Maus und das Meer

„Ich will ans Meer“, sagte die Maus, „Ich habe große Pläne.“

„Achja?“, erwiderte der müde gelangweilte Bär.

„Jaja, ganz sicher. Die große weite Welt. Sie wartet auf mich und ich muss sie sehen.“

„Aber wieso? Gefällt es dir hier nicht mehr?“

„Doch schon. Es ist ganz nett hier, aber es muss doch weitergehen. Stillstand ist Rückschritt.“

„Versteh ich nicht“, sagte der Bär, „du hast doch auch so viele Freunde hier. Ist es nicht schön, hier zu liegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen?“

Die Maus lief unruhig hin und her.

„Ja, aber es ist alles ’nur‘ schön. Es ist nichts Ausgefallenes, nichts Aufregendes, nichts Spektakuläres.“

Der Bär drehte sich auf die Seite. Die Maus hielt kurz inne und sie blickten sich in die Augen.

Der Bär wollte die Maus nicht gehen lassen. Sie würde ihm fehlen: Wie sie ihn quirlig jeden Morgen weckte. Wie sie zusammen frühstückten, danach jeder seinem Tagwerk nachging, sie aber dennoch immer aneinander dachten, miteinander verbunden blieben. Abends freuten sich beide sehr, einander wiederzusehen.

Es lag aber auch ein unsichtbarer Respekt zwischen ihnen, der sich wie ein Schleier um sie hüllte. Nie hätte einer der beiden zu weit gehen wollen.

„Amerika!“

„Amerika?“, der Bär schluckte, „So weit weg?“

„Warum nicht?“

Sie mochte den Bären, Sehr sogar. Aber sie war auch voller Tatendrang und er immer so behäbig. Er zögerte zu lange. Wägte immer alles dreimal ab.

Sie war kurzentschlossen. Und sie hatte sich entschlossen.

„Amerika ist weit weg“, murmelte der Bär.

„Ich weiß.“

„Denk an mich.“, sagte er und: „Ich wünsch dir eine gute Reise.“

„Danke.“, erwiderte die Maus.

Sie blickten sich noch einmal in die Augen.

‚Geh nicht‘, sagten seine.

‚Ich muss‘, die ihren.

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